BIOGRAPHIE

 

„In einer Zeit, in der im Bereich der akustischen Kunst die Tendenz dominiert, alles entweder elektronisch zu verfremden oder gar überhaupt elektronisch zu erzeugen, ist es ein wahrhaft aufregendes Programm, zu den Quellen zurückzukehren und die Stimme als Musikinstrument erneut zu würdigen und zum Maßstab für das zu erheben, was Musik im weitesten Sinne sein kann.“ (Michael Vetter)

Natascha Nikeprelevic ist composer-performer, Vokalistin, Improvisatorin und Interpretin zeitgenössischer Musik. Sie studierte sechs Jahre “Intermediale Improvisation – Musik, Malerei, Theater“ bei Michael Vetter an der Accademia Capraia, Italien. Für das Studium erhielt sie ein Förderstipendium der Stadt Köln (12 Semester). Weitere acht Jahre war Nikeprelevic an der Accademia Capraia als Dozentin tätig.

Der intermediale Schwerpunkt ihres Studiums hat ihr ein vielseitiges Tätigkeitsfeld ermöglicht. Genre-Grenzen übergeht sie leichtfüssig und zelebriert den Dialog verschiedenster Kunstbereiche. Im Kontext Bildende und Angewandte Kunst, Theater, Musik, Hörspiel und Film, setzt sie sich als Solistin, im Duo und in Künstlerkollektiven intensiv und kritisch mit den Themen: ‚Wechselwirkung von Absicht und Zufall‘, ‚Gleichstellung von Objekt und Subjekt‘ und ‚Poesie einer transverbalen Universal-Sprache‘ auseinander.

“Ein spätes Erbe dadaistischer Vokalverrückungen, die hier in der Tat zu einer Oper ohne Sujet gerinnen.“ (Georg Henkel, Musik an sich, Ausgabe 2010).

Die Stilvielfalt ihres Schaffens ist in über 30 eigenen Videoarbeiten zu sehen. Zu hören ist Natascha Nikeprelevic u.a. in 13 abendfüllenden Rundfunkproduktionen des Deutschland Radio Berlin und des WDR Köln.
Der Mischung aus archaischem Purismus und experimenteller Offenheit ist es wohl zu verdanken, dass ihre Performance-Videos mit über 5 Millionen Views zu verzeichnen sind. Auf einer social media Plattform hat Natascha Nikeprelevic annähernd 25.000 Follower.

Ihre Vokalistik lebt aus der Kraft der Gegensätze und deren poetischem Zusammenspiel: Expressive Atonalität, harmonische Kantilenen, Oberton-Arien, polymorphe Klangstrukturen und Geräusche verbindet sie zu einem organisch-flexiblen Klangwesen. Damit katapultiert Nikeprelevic das Instrument Stimme akustisch auf die vielseitige Ebene elektronischer Klangerzeuger.

“Natascha Nikeprelevic verzaubert die Sinne mit ihrer Kunst, und man meint es seien Elektroniker am Werk.” (Michael Rieth, Frankfurter Rundschau).

Das Good Magazine (USA) kürte sie 2016 zur „premier overtone singer in the world“, was eine Resonanz von 90.000 Videoaufrufen an nur einem Tag zur Folge hatte.
Das Buch: ‚Hardcore, Punk, and other Junk: Aggressive Sounds in Contemporary Music‘ (Lexington Books, 2015) erwähnt Natascha Nikeprelevic gemeinsam mit Henri Chopin, Bob Cobbing, David Moss, Gil Joseph Wolman, Luciano Berio als Künstlerin, die „herausragende Beiträge zur Erkundung der Möglichkeiten der menschlichen Stimme erbracht hat“.

Maßgeblich für ihre künstlerische Entwicklung war eine 1-jährige Hospitanz bei Pina Bausch am Tanztheater Wuppertal. Zudem war Natascha Nikeprelevic vor ihrem Studium in mehreren Rollen als Schauspielerin bzw. Tänzerin engagiert. Sie debütierte mit 19 Jahren am Orangerie Theater Köln in der Doppelrolle Pausanias/Panthea im Hölderlin Werk ‚Empedokles‘. Als Tänzerin (Luzikamel) war sie in der Stockhausen-Oper ‚Mittwoch aus Licht‘ zu erleben. Das Werk wurde 1998 mit dem SWR Rundfunkchor unter Leitung von Rupert Huber auf der Biennale in München aufgeführt.
Weitere wichtige Lehrer und Inspiratoren waren Peter Brook, Robert Wilson, Eugenio Barba und die Butoh-Legende Kazuo Ono, mit dem sie 1999 auf dem Jooksan International Arts Festival (Korea) die Ehre hatte in einem gemeinsamen Programm aufzutreten.

„Man hat den Eindruck, die Stimm-Künstlerin Natascha Nikeprelevic lebt in einer anderen, eigenen Welt. Doch ohne entrückt zu sein. Im Gegenteil: Sie geht auf alles um sie herum unmittelbar ein. Ihre improvisatorische Klarheit, Schnelligkeit und Witzigkeit sind atemberaubend. Das Universum, was sie durch ihre eigentümlichen Handbewegungen und ihre fast unmenschliche Stimme entstehen lässt, ist voller unverschämter Verspieltheit und poetischer Schönheit.“ (E. Waalen)

Auf dem Lunalia Festival in Mechelen, Belgien wird Natascha Nikeprelevic im April 2018 mit „Divine Speech“ zu erleben sein. Im Juli 2017 konzertierte sie im Grottensaal des Neuen Palais Schloss Sancoussi im Rahmen der Musikfestspiel Potsdam mit ihrem Stück „Orakel“. Im September weitete Nikeprelevic „Orakel“ zu einem abendfüllenden Ein-Personen Musiktheater aus und begeisterte mit ihrer radikalen Abstraktion von Sprache zu Klang das junge Publikum auf dem sounded bodies Festival in Zagreb, Kroatien.

Im Juni 2017 sendete der WDR Köln ihr Werk „Phonemonal -Vom Un-Sinn einer Klangsprache und deren visueller Verlautbarung “ Konzept, Grafische Notation, Stimme: Natascha Nikeprelevic – Elektronik: F.X.Randomiz. Das  55-minütige Hörstück entstand als als Kompositionsauftrag des Studio Akustische Kunst und wurde 2017 vom WDR für den Karl-Szuka-Preis vorgeschlagen.

In der Formation FU ACUNE mit F.X.Randomiz arbeitet Natascha Nikeprelevic seit jüngster Zeit an der Schwelle von Experiment und Pop. Dabei geht sie konsequent den Weg der Gleichstellung von Stimme und Elektronik. ‚fu acune‘ ist die postmoderne Synthese von Pop und Neue Musik, Dance und Avantgarde, Improvisation und Songformat.

Im ‚Duo Transverbal‘ war Nikeprelevic gemeinsam mit Michael Vetter († 2013) von 1997 bis 2013 mit zahlreichen Performances in ganz Europa, Taiwan, Japan und Korea zu erleben. Aufführungsorte waren u.a. Museen, schalldichte Betonräume, Grotten, Schwimmbäder, Tempel, Amphitheater, Konzerthallen, Gärten und Kirchen. In dieser Zeit entstanden 16 CD- und 6 Hörspielproduktionen im ‚Duo Transverbal.

„Der atemberaubende Meister Vetter und seine provokant geniale Duo-Partnerin Natascha Nikeprelevic, allein diese Besetzung ist schon ihre Reise wert. Aber dann das Programm! Wer hat jemals so exakt und gleichzeitig derart lupenrein und innig in Obertönen kommunizieren hören? Und das immer wieder aufs Neue ein- und aufbrechend ins Abenteuer merkwürdigster transverbal-stimmlicher Begegungen! Nirgendwo erweist sich selbst-verständlicher, was Michael Vetter meint, wenn er vom “Jenseits” der Sprachen redet.“ (Ars Acustika, Berlin, TAZ)

Als weltweit erstes Duo realisierten sie zudem 2008 die Uraufführung von “POLE für 2″ für Stimmen und Kurzwellenradios von Karlheinz Stockhausen in der Tonhalle Zürich. 2013 erschien ihre Interpretation von POLE für 2 als CD 103 im Stockhausen Verlag. Im August desselben Jahres brachte sie anlässlich der Stockhausen-Tage in Kürten ein weiteres Stockhausen-Werk „EXPO für 3“, gemeinsam mit Vetter und dem Elektronik-Musiker F.X.Randomiz zur Uraufführung. 2014 erschien EXPO für 3 als CD 104 ebenfalls im Stockhausen-Verlag.
In Seminaren über Stockhausens “Intuitive Musik (“Aus den sieben Tagen”) und zur Plus/Minus-Partitur von “POLE” und “EXPO“ vermittelt Natascha Nikeprelevic das Verhältnis zwischen Notation und Improvisation.

Exklusiv für den Kinofilm ‚Ausgerechnet Sibirien‘ bezauberte Natascha Nikeprelevic mit ihrem Titelsong den Hauptdarsteller (Joachim Król) und choreografierte die Handbewegungen der Sängerin im Film.

Als Chorleiterin und Komponistin trat Nikeprelevic mit: ‚RESPONS – Reaktion auf Bestimmtes‘ in Erscheinung. Das Werk entstand als Kompositionsauftrag des WDR. Darin bilden improvisatorische Konzepte die Grundlage für eine ‚interaktive Chormusik‘, bei der die wechselseitige, reaktive Bezogenheit von Dirigent und Chor Programm ist. Die Komposition wurde unter ihrer Leitung und mit ihr als Vokal-Solistin anlässlich der chor.com im September 2011 mit dem WDR Rundfunkchor im Konzerthaus Dortmund uraufgeführt.

„Natascha Nikeprelevic ist eine wunderbare Künstlerin. Dass sie den Chor zu ungehörten Klängen und vokalen Reaktionen anregte, war ihrer tänzerischen und dirigentischen Performance zu verdanken. Ihr „head arrangement“ funktionierte maßstabsgetreu. Alles war improvisiert und ließ einen zeitweise das Atmen vergessen. Es gibt zahlreiche Performance-artisten in Ermangelung einer fürs Konzert- und Opernfach nötigen Stimmtechnik: Kein Gedanke daran bei Natascha Nikeprelevic!“ (Wolfgang Layer, Vorsitzender des Chorverband)“

Als Sprecherin im Hörspiel ‚Leckermänner oder Dichten in Fahrtrichtung‘, (Ginka Steinwachs, DLRadio Berlin, 2012) transzendierte sie Semantik zugunsten von Wortklang. Im Schlosstheater Moers kam ihr Musiktheater “Nach Strich und Faden” (2011) für Stimme und Kontrabass auf die Bühne. Natascha Nikeprelevic führte Regie und übernahm auch den Vokal-Part. Ihr Duopartner am Kontrabass war Achim Tang.

2005 und 2009 war Natascha Nikeprelevic Artist in Residence an der Universität der Künste Taipei. Performances, ein Fernsehportrait im DA-AI Television und Seminare zu den Themen ‚Strukturelle Performance‘ und ‚transverbale Universal-Sprachlichkeit‘ mit jeweils 60 teilnehmenden Studierenden, erregten vor Ort viel Aufmerksamkeit. Zudem produzierte die Universität ein Lehrvideo zu ihrer Didaktik und Methodik im Fachgebiet Obertongesang (DVD: The Dao of Overtone Singing).

Neben ihren Performances lehrt Natascha Nikeprelevic an verschiedenen Instituten und Universitäten. Sie hält Masterclasses und Lectures zu den Themen: Experimentelle Vokalistik, Erweiterte Obertongesangstechnik und Strukturelle Performance.
Zuletzt war sie an der Akademie der Künste Taipei, Fachbereich Theater – Universität Siegen, FB: Komposition – Universität Köln, FB: Musikwissenschaft – Musikhochschule Leipzig, FB: Improvisation – Musikhochschule Luzern, FB: Jazz – Universität Ottawa, FB: Performance Art – Humboldt Universität Berlin, FB: Theologie. Musikhochschule Stuttgart – FB: Stimmkunst/Neues Musiktheater.

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