BIOGRAPHIE


“In einer Zeit, in der im Bereich der akustischen Kunst die Tendenz dominiert, alles entweder elektronisch zu verfremden oder gar überhaupt elektronisch zu erzeugen, ist es ein wahrhaft aufregendes Programm, zu den Quellen zurückzukehren und die Stimme als Musikinstrument erneut zu würdigen und zum Maßstab für das zu erheben, was Musik im weitesten Sinne sein kann.” (Michael Vetter)

Natascha Nikeprelevic ist composer-performer, Vokalistin, Improvisatorin und Interpretin zeitgenössischer Musik. Sie studierte sechs Jahre “Intermediale Improvisation – Musik, Malerei, Theater“ bei Michael Vetter an der Accademia Capraia, Italien und war dort weitere acht Jahre als Dozentin tätig.
 In 2013 hat sie die Leitung des Institutes übernommen.

Der intermediale Schwerpunkt ihres Studiums hat ihr ein vielseitiges Tätigkeitsfeld ermöglicht. Genre-Grenzen übergeht sie leichtfüssig und zelebriert den Dialog verschiedenster Kunstbereiche. Im Kontext Bildende und Angewandte Kunst, Theater, Musik, Hörspiel und Film, setzt sie sich als Solistin, im Duo und in Künstlerkollektiven intensiv und kritisch mit den Themen: ‘Wechselwirkung von Absicht und Zufall’, ‘Gleichstellung von Objekt und Subjekt’ und ‘Poesie einer transverbalen Universal-Sprache’ auseinander.

Auf Basis ihrer poetisch-dadaistischen Vokalistik entwickelte Natascha Nikeprelevic ein neues Genre, das sie ‘Strukturelle Performance’ nennt. Hierbei lösen sich momenthafte semantische Handlungsstränge unvermittelt in abstrakte Strukturen aus Stimme und Bewegung auf. Forschungsgebiet ist die Etablierung einer transverbalen, universal-verständlichen Sprache, bei der es nicht um Verstehen, sondern um deren semantikbefreite Bestandteile geht; um Sprache als Spiel, Wörter als Klang. Poetisch in Szene gesetzte Reflexionen jeweiliger Ist-Zustände. Die ‘Strukturelle Performance’ bewegt sich in fliessendem Übergang zwischen den Genres Tanz, Musik, Performance und Theater und gilt als Gleichnis einer surreal anmutenden Jetzt-Bezogenheit der sich einander bedingenden Parameter von Raum-Zeit-Körper-Stimme-Objekt.

    “Ein spätes Erbe dadaistischer Vokalverrückungen, die hier in der Tat zu einer Oper ohne Sujet gerinnen.“ (Georg Henkel, Musik an sich, Ausgabe 2010).

Die Stilvielfalt ihres Schaffens ist in über 30 eigenen Videoarbeiten zu sehen. Zu hören ist Natascha Nikeprelevic u.a. in 10 abendfüllenden Rundfunkproduktionen des Deutschland Radio Berlin und des WDR Köln.
Der Mischung aus archaischem Purismus und experimenteller Offenheit ist es wohl zu verdanken, dass diverse social-media Plattformen wie youtube u.a. ihre Videos mit über 1 Millionen Views verzeichnen.

Ihre Vokalistik lebt aus der Kraft der Gegensätze und deren poetischem Zusammenspiel: Expressive Atonalität, harmonische Kantilenen, Oberton-Arien, polymorphe Klangstrukturen und Geräusche verbindet sie zu einem organisch-flexiblen Klangwesen.
Damit katapultiert Nikeprelevic das Instrument Stimme akustisch auf die vielseitige Ebene elektronischer Klangerzeuger.

    “Natascha Nikeprelevic verzaubert die Sinne mit ihrer Kunst, und man meint es seien Elektroniker am Werk.” (Michael Rieth, Frankfurter Rundschau).

Weitere konzeptionelle Inhalte ihrer Performance-Kunst sind – neben dem Essenz verinnerlichenden Ansatz der ‘strukturellen Performance’ – explorative Raumerweiterungen. Dabei wird die zunächst orthodoxe Raumanordnung: Bühne-Publikum mittels Medien und Raumattributen aufgebrochen. Durch Lichtgestaltung, Schatteneffekte, der Integration, Gestaltung und Manipulation von Raumelementen, wie Fenstern, Spiegeln, Heizungen, Raumdecken, Vorhängen, Leinwänden etc. werden diese als künstlerisch gleichberechtigte „Akteure“ in die Performance integriert. Daraus offenbart sich ein vollkommen neues Verständnis von dem Begriff des „ leblosen“ Objektes, was in Folge eine neue Haltung zu diesen Gegenständen einfordert.

    “Man hat den Eindruck, die Stimm-Künstlerin Natascha Nikeprelevic lebt in einer anderen, eigenen Welt. Doch ohne entrückt zu sein. Im Gegenteil: Sie geht auf alles um sie herum unmittelbar ein. Ihre improvisatorische Klarheit, Schnelligkeit und Witzigkeit sind atemberaubend. Das Universum, was sie durch ihre eigentümlichen Handbewegungen und ihre fast unmenschliche Stimme entstehen lässt, ist voller unverschämter Verspieltheit und poetischer Schönheit.” (E. Waalen)

Als Chorleiterin und Komponistin trat sie mit: ‘RESPONS – Reaktion auf Bestimmtes’ in Erscheinung. Das Werk entstand als Kompositionsauftrag des WDR. Darin bilden improvisatorische Konzepte die Grundlage für eine ‘interaktive Chormusik’, bei der die wechselseitige, reaktive Bezogenheit von Dirigent und Chor Programm ist. Die Komposition wurde unter ihrer Leitung und mit ihr als Vokal-Solistin anlässlich der chor.com im September 2011 mit dem WDR Rundfunkchor im Konzerthaus Dortmund uraufgeführt.

    “Natascha Nikeprelevic ist eine wunderbare Künstlerin. Dass sie den Chor zu ungehörten Klängen und vokalen Reaktionen anregte, war ihrer tänzerischen und dirigentischen Performance zu verdanken. Ihr „head arrangement“ funktionierte maßstabsgetreu. Alles war improvisiert und ließ einen zeitweise das Atmen vergessen. Es gibt zahlreiche Performance-artisten in Ermangelung einer fürs Konzert- und Opernfach nötigen Stimmtechnik: Kein Gedanke daran bei Natascha Nikeprelevic!” (Wolfgang Layer, Vorsitzender des Chorverband)”

Exklusiv für den Kinofilm ‘Ausgerechnet Sibirien’ bezauberte Natascha Nikeprelevic mit ihrem Titelsong den Hauptdarsteller (Joachim Król) und choreografierte die Handbewegungen der Sängerin im Film.

Als Sprecherin im Hörspiel ‘Leckermänner oder Dichten in Fahrtrichtung’, (Ginka Steinwachs, DLRadio Berlin, 2012) transzendierte sie Semantik zugunsten von Wortklang.

Im Schlosstheater Moers kam ihr Musiktheater “Nach Strich und Faden” (2011) für Stimme und Kontrabass auf die Bühne. Natascha Nikeprelevic führte Regie und übernahm auch den Vokal-Part. Ihr Duopartner am Kontrabass war Achim Tang.


2005 und 2009 war Natascha Nikeprelevic Artist in Residence an der Universität der Künste Taipei. Performances, ein Fernsehportrait im DA-AI Television und Seminare zu den Themen ‘Strukturelle Performance’ und ‘transverbale Universal-Sprachlichkeit’ mit jeweils 60 teilnehmenden Studierenden, erregten vor Ort viel Aufmerksamkeit. Zudem produzierte die Universität ein Lehrvideo zu ihrer Didaktik und Methodik im Fachgebiet Obertongesang (DVD: The Dao of Overtone Singing).

Das Good Magazine (USA) kürte sie 2016 mit einem online Artikel zur „premier overtone singer in the world“, was eine Resonanz von 90.000 Videoaufrufen an nur einem Tag zur Folge hatte.
Das Buch: ‘Hardcore, Punk, and other Junk: Aggressive Sounds in Contemporary Music’ (Lexington Books, 2015) erwähnt Natascha Nikeprelevic gemeinsam mit Henri Chopin, Bob Cobbing, David Moss, Gil Joseph Wolman, Luciano Berio als Künstlerin, die herausragende Beiträge zur Erkundung der Möglichkeiten der menschlichen Stimme erbracht hat.

Maßgeblich für ihre künstlerische Entwicklung war eine 1-jährige Hospitanz bei Pina Bausch am Tanztheater Wuppertal. Zudem war Natascha Nikeprelevic vor ihrem Studium in mehreren Rollen als Schauspielerin bzw. Tänzerin engagiert. Sie debütierte mit 19 Jahren am Orangerie Theater Köln in der Doppelrolle Pausanias/Panthea im Hölderlin Werk ‘Empedokles’. Als Tänzerin (Luzikamel) war sie in der Stockhausen-Oper ‘Mittwoch aus Licht’ zu erleben. Das Werk wurde 1998 mit dem SWR Rundfunkchor unter Leitung von Rupert Huber auf der Biennale in München aufgeführt.
Weitere wichtige Lehrer und Inspiratoren waren Peter Brook, Robert Wilson, Eugenio Barba und die Butoh-Legende Kazuo Ono, mit dem sie 1999 auf dem Jooksan International Arts Festival (Korea) die Ehre hatte in einem gemeinsamen Programm aufzutreten.

Im ‘Duo Transverbal’ war sie gemeinsam mit Michael Vetter von 1997 bis 2013 mit zahlreichen Performances in ganz Europa, Taiwan, Japan und Korea zu erleben. Aufführungsorte waren u.a. Museen, schalldichte Betonräume, Grotten, Schwimmbäder, Tempel, Amphitheater, Konzerthallen, Gärten und Kirchen. In dieser Zeit entstanden 16 CD- und 6 Hörspielproduktionen im ‘Duo Transverbal.

    “Der atemberaubende Meister Vetter und seine provokant geniale Duo-Partnerin Natascha Nikeprelevic, allein diese Besetzung ist schon ihre Reise wert. Aber dann das Programm! Wer hat jemals so exakt und gleichzeitig derart lupenrein und innig in Obertönen kommunizieren hören? Und das immer wieder aufs Neue ein- und aufbrechend ins Abenteuer merkwürdigster transverbal-stimmlicher Begegungen! Nirgendwo erweist sich selbst-verständlicher, was Michael Vetter meint, wenn er vom “Jenseits” der Sprachen redet.“ (Ars Acustika, Berlin, TAZ)

Als weltweit erstes Duo realisierten sie zudem 2008 die Uraufführung von “POLE für 2″ für Stimmen und Kurzwellenradios von Karlheinz Stockhausen in der Tonhalle Zürich. 2013 erschien ihre Interpretation von POLE für 2 als CD 103 im Stockhausen Verlag. Im August desselben Jahres brachte sie anlässlich der Stockhausen-Tage in Kürten ein weiteres Stockhausen-Werk “EXPO für 3″, gemeinsam mit Vetter und dem Elektronik-Musiker F.X.Randomiz zur Uraufführung. 2014 erschien EXPO für 3 als CD 104 ebenfalls im Stockhausen-Verlag.
In Seminaren über Stockhausens “Intuitive Musik (“Aus den sieben Tagen”) und zur Plus/Minus-Partitur von “POLE” und “EXPO“ vermittelt Natascha Nikeprelevic das Verhältnis zwischen Notation und Improvisation.

Im Mai 2013 realisierte Natascha Nikeprelevic ein gross angelegtes Projekt als Synthese zwischen Raum und Musik mit dem Titel: ‘ Raum für Sinnfreiheit – Vom Un-Sinn einer Klangsprache und deren visueller Verlautbarung’. Mehrere Live-Konzerte und Performances erweiterten die visuelle Raumgestaltung in ein intermediales Happening. In ihrer dortigen Einzelausstellung war u.a. das Forschungszentrum Jülich mit 30 hochrangigen amerikanischen Wissenschaftlern zu Gast, für die sie eine Lecture-Performance zum Thema ‘Transverbale Sprache eines homo musicalis der Zukunft’gab.
Im Juli 2016 produzierte Natascha Nikeprelevic als Auftragswerk von WDR Studio Akustische Kunst “Phonemonal” gemeinsam mit F.X.Randomiz als Mehrkanal-Komposition. Es ist hier zu hören.

In der Formation FU ACUNE mit F.X.Randomiz (Elektronik) arbeitet sie seit jüngster Zeit an der Schwelle von Experiment und Pop. Dabei geht sie konsequent den Weg der Gleichstellung von Stimme und Elektronik. ‘fu acune’ ist die postmoderne Synthese von Pop und Neue Musik, Dance und Avantgarde, Improvisation und Songformat.

Für 2017 ist eine Performance in Los Angeles im Rahmen der University of Southern California (USC) geplant, in der Natascha Nikeprelevic virtuelle, akustisch simulierte Sakralräume stimmlich mit Klang füllt. Das Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Berklee College of Music hat zum Ziel, eine Archäologie der Klänge zu erstellen, die im musealen Kontext präsentiert und archiviert werden sollen.
Im Juni desselben Jahres wird Natascha Nikeprelevic mit einem Solo im berühmten Grottenssal des Neuen Palais Schloss Sanssouci im Rahmen der Musikfestspiele Potsdam zu erleben sein.

Neben ihren Performances lehrt Natascha Nikeprelevic an verschiedenen Instituten und Universitäten. Sie hält Masterclasses und Lectures zu den Themen: Experimentelle Vokalistik, Erweiterte Obertongesangstechnik und Strukturelle Performance.
Zuletzt war sie an der Akademie der Künste Taipei, Fachbereich Theater – Universität Siegen, FB: Komposition – Universität Köln, FB: Musikwissenschaft – Musikhochschule Leipzig, FB: Improvisation – Musikhochschule Luzern, FB: Jazz – Universität Ottawa, FB: Performance Art – Humboldt Universität Berlin, FB: Theologie.
Aktuell gab sie eine einwöchige masterclass an der Musikhochschule Stuttgart – FB: Stimmkunst/Neues Musiktheater.
Ein Seminar an der Folkwang Universität in Essen ist geplant.

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